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[update] gesucht? gefunden! unbekanntes Buch

Dieser Beitrag wurde vor mehr als 11 Jahren veröffentlicht!
Höchstwahrscheinlich ist dieser inzwischen veraltet.

Vor einiger Zeit … ich würde mittlerweile auf ca. rund 4 Jahre tippen … lieh ich einem Freund Bekannten jemanden, im Austausch gg. ein Perry Rhodan Buch und ein paar dieser Krabbeldinger, ein Buch. Leider hab ich es seitdem nie wieder gesehen. :-( Selbst auf mehrere EMails, die man scheinbar geflissentlich ignorierte, bekam ich keine Antwort. Dummerweise kann ich mich auch nur entfernt an den Inhalt erinnern, weiß aber, das es mich damals faszinierte.

[update] Dank unermüdlichen Recherchierens haben es liebe Mitleser aus Bootlocker doch noch herausgefunden, um welches Buch es sich hierbei handelt!

Gestrandet bei der Sonne Epsilon

Die Überschrift ist auch gleichzeitig der Titel des Buches, das ich Euch vorstellen will. Warum ich das in der offenen Kategorie mache? Weil das Buch über 40 Jahre auf dem Buckel hat, der Verlag nicht mehr existiert, die Autoren des Buches mögen zwar noch leben (ich weiß es nicht), sind aber auch nicht sonderlich bekannt, und extra wegen meiner Meinung eine neue Kategorie-Zweig aufzumachen halte ich für überflüssig.

Also will ich Euch nun das Buch vorstellen.

Gestrandet bei der Sonne Epsilon wurde von den beiden tschechischen Autoren Jirí Brabenec und Zdenék Veselý 1961 im Verlag „Lidova demokracie“ herausgegeben. Es handelt sich hierbei um einen Science-Fiction-Roman mit meiner Meinung nach gehobenen Ansprüchen. So geht es in dem Roman weder um glorreiche Schlachten mit futuristischen Waffen noch werden irgendwelche bösen Spitzbuben verfolgt. Vielmehr geht es um den Einfallsreichtum und das zusammenleben von Menschen unter ungewohnten und anfangs schlechten Bedingungen auf einem fremden erdähnlichem Planeten und schildert deren teilweise traumatischen aber auch schönen Erlebnisse.


Eine kurze Zusammenfassung der Geschichte

Im nicht allzuferner Zukunft macht sich das Raumschiff „Astrid“, mit dem Ziel das Schicksal eines vor ihnen geschickten, verschollenen Raumschiffs aufzuklären, auf den Weg zum erdähnlichen Planeten „Tertia“. Zu allem Unglück kommt das Schiff kurz vor der Ankunft in einen Meteoritenschwarm und ist nicht mehr steuerbar. Die letzte Möglichkeit, ist das verlassen des Raumschiffes mit einer kleinen Landefähre. Das Problem dabei liegt darin, das wenn die gesamte Besatzung die Fähre besteigt nur noch sehr wenig Ausrüstung mitgenommen werden kann. Letztendlich wird das Problem gelöst und der Flug zum Planeten Tertia beginnt. Da durch die Überladung der Fähre der Sprit nicht reicht, beschließen sie mit dem Fallschirm abzuspringen. Durch einen weiteren technischen Defekt werden aber 3 Crewmitglieder ( 2 Männer, 1 Frau) am rechtzeitigen Absprung gehindert, wodurch es im Endeffekt zu einer Trennung der Truppe kommt. Somit sind also ein großes Team und ein kleines Team in einer Welt, die der Erde zur Zeit des Tertiärs entsprach, also irgendwann nach der Eiszeit als noch Mammut und Co ihr Unwesen trieben, vollkommen auf sich allein gestellt, und das ohne jegliche Ausrüstung.

Die beiden Autoren verstanden es wunderbar die Konflikte der Menschen mit sich selbst und ihren Mitbewohnern darzustellen.

So muss z.B. das abgesprengte Team, bestehend aus 2 Männern und einer Frau, ohne jegliche Vorbereitung, einen harten Winter in den Bergen überstehen. Das dabei auch sexuelle Konflikte auftreten ist fast schon die logische Konsequenz. Aber auch das meisterten die Schriftsteller mit einer fast schon unnachahmlicher Geschicklichkeit. Die 3 werden aber später vom restlichen Team gerettet und somit geht es für sie noch glimpflich ab.

Natürlich mussten die Schiffbrüchigen auch ihre Umgebung erkunden, einerseits um in Erfahrung zu bringen was aus dem vorherigen Schiff und dessen Besatzung geworden ist und andererseits um sich selbst mit ausgewogener Nahrung und Material zu versorgen. In der Zwischenzeit wurde sogar ein kleines Lager geschaffen, das die Manschaft sogar schon ironisch als Stadt bezeichnete. Und so lebten Sie, ständig Verbesserungen erfindend, in ihrem Dörfchen, mit ihrem neuen Hauptziel, die ihnen nachfolgende Expedition zu warnen. Sie bauten aus selbstgeschmiedetem Eisen eine große Funkantenne, die Sie mit Solarzellen aus der mittlerweile gefundenen Landefähre betrieben, und so konnten Sie zumindest schon die Signale des nachfolgenden Raumschiffes abhören. Während des Baus dieser Antenne, fand eine kleine Expedition auch die menschlichen Überreste der vor ihnen gestarteten Astronauten, mit dem Ergebnis das einer von ihnen Überlebt hat. Und so suchen und lokalisieren ihn sogar letztendlich in einem Dorf von Eingeborenen. Befreien aber können Sie ihn nicht. Nach der Rückkehr der Expedition, teilen ihnen die zuhausgebliebenen mit das der Kapitän des Raumschiffes sein Leben geopfert hat, nur um das nachfolgende Schiff zu warnen. Er hatte hoch radioaktives Material aus einer Erz-Lagerstätte geholt, um die Energie für den Sendemast bereitzustellen, und hatte natürlich, mangels Behandlungsmöglichkeit keine Überlebenschance, und starb so 2 Wochen vor eintreffen, des mittlerweile gewarnten Nachfolge-Raumschiffs. Am Ende der Geschichte, entschließen sich, trotz der schlechten Lebensbedingungen, viele der Menschen, auf dem Planeten zu bleiben, und lassen somit auch ein offenes Ende der Story zu. Wird der letzte Astronaut der allerersten Expedition gerettet ?


Nachbetrachtung

Dieses Buch, spielt wie kaum ein anderes, mit dem Gefühlen des Lesers. Die zwischenmenschlichen Beziehungen werden genauso gut wiedergegeben, wie auch jedes einzelne Detail der Umgebung des Planeten. Ich habe selten so eine großartige Geschichte gelesen. Man kann sich förmlich in jeden der einzelnen Menschen hineinversetzen. Die Spannung bleibt bis zum Schluss ungebrochen, werden sie es schaffen oder geht es in die Hose. Das ganze ist an passenden Stellen gekonnt mit einem Schuss Humor gewürzt, sodass auch der Spaß nicht zu kurz kommt. Am liebsten würde ich jedem von Euch das Buch in die Hand drücken, auf das Ihr es Euch zu Gemüte führen könnt. Aber genau das ist das Problem. Es dürfte heutzutage sehr schwer sein, noch an das Buch heranzukommen. Ich liste trotzdem mal alles wichtige dazu auf, vielleicht führt es ja noch mancheine Bibliothek.

Titel: Gestrandet bei der Sonne Epsilon
Autoren: Jirí Brabenec, Zdenék Veselý
Verlag des Originals: Lidova demokracie
Deutscher Verlag: Das Neue Berlin
Erscheinung der 2. Ausgabe: 1965
Lizenznummer: 409-160/35/65 (damals gab es noch keine ISBN-Nummern)


Viele Dank an Entrox für dieses Klasse Review, dem ich mich – aus den Gedanken heraus – nur anschließen kann!

Und wie es mit alten Büchern so ist … so kosten eine Mörderkohle! :-(

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